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Produktart 14 (Rodentizide)

Die meisten Rodentizide zur Bekämpfung von Nagetieren wie Ratten und Hausmäuse enthalten blutgerinnungshemmende Wirkstoffe, sogenannte Antikoagulanzien. Dabei unterscheidet man zwischen Wirkstoffen der 1. Generation (Warfarin, Chlorophacinon und Coumatetralyl) und den potenteren Wirkstoffen der 2. Generation (Bromadiolon, Difenacoum, Brodifacoum, Difethialon und Flocoumafen).

Antikoagulanzien sind fortpflanzungsschädigend (reproduktionstoxisch) und bedingt durch ihre blutgerinnungshemmende Wirkweise zielorgantoxisch für Blut. Zudem können Antikoagulanzien der 2. Generation nur sehr schlecht in der Umwelt abgebaut werden (persistent, P), reichern sich in Lebewesen an (bioakkumulierend, B) und sind giftig (toxisch, T), (PBT-Stoffe).

Derzeit sind Antikoagulanzien für die Bekämpfung von Nagern alternativlos. Daher wurde EU-weit entschieden, Rodentizide dennoch für einen begrenzten Einsatz unter Einhaltung von strengen Anwendungsbestimmungen und für die Dauer von maximal 5 Jahren zuzulassen. Festgehalten wurden diese Bestimmungen in den EU-weit harmonisierten Zusammenfassungen der Produkteigenschaften (harmonisiertes SPC (Summary of Product Characteristic)) für Antikoagulanzien. Ein SPC ist zentraler Teil einer jeden Zulassung in der EU. Die Zulassung für ein spezifisches Produkt kann abhängig von dessen Eigenschaften jedoch weiter eingeschränkt werden und z.B. weniger Verwendungen oder zusätzliche Risikominderungsmaßnahmen enthalten. Auch nationale Besonderheiten können berücksichtigt werden. Hierzu zählt z.B. die genaue Definition eines geschulten Verwenders unter Berücksichtigung der nationalen Schulungsmöglichkeiten.

Jede Neuzulassung oder Verlängerung einer bestehenden Zulassung eines Rodentizids mit Antikoagulanzien beinhaltet seit 2018 ein harmonisiertes SPC. Die "Allgemeinen Kriterien einer guten fachlichen Anwendung von Fraßködern bei der Nagetierbekämpfung mit Antikoagulanzien", die vor 2018 Teil der deutschen Zulassungen waren, wurden durch die harmonisierten SPC ersetzt.

Verwenderkategorien

Aufgrund der Einstufung der meisten Antikoagulanzien als reproduktionstoxisch und/oder zielorgantoxisch greifen die Beschränkungen der Verordnung (EU) Nr. 528/2012 (Biozidverordnung) und der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) hinsichtlich der Verwenderkategorien. Die möglichen Kombinationen von Antikoagulanzien und Verwendern sind nachfolgend dargestellt.

Die breite Öffentlichkeit

Keine Anwendung von:

  • Antikoagulanzien der 2. Generation
  • reproduktionstoxisch und/oder zielorgantoxisch eingestuften Rodentiziden der 1. Generation
  • im Außenbereich

Verwendung im privaten häuslichen Bereich gegen:

  • Hausmäuse und Ratten im Innenraum
  • Ratten um Gebäude

Berufsmäßige Verwender

Keine Anwendung von:

  • Antikoagulanzien der 2. Generation
  • zielorgantoxisch eingestuften Rodentiziden der 1. Generation

Verwendung im Rahmen der beruflichen Tätigkeit gegen:

  • Hausmäuse und Ratten im Innenraum
  • Hausmäuse und Ratten um Gebäude

Geschulte berufsmäßige Verwender

Verwendung im Rahmen der beruflichen Tätigkeit gegen:

  • Hausmäuse und Ratten im Innenraum
  • Hausmäuse und Ratten um Gebäude
  • Ratten im Außenbereich (offenes Gelände, Mülldeponien, etc.)
  • Ratten in der Kanalisation

Fast alle derzeit in Deutschland zugelassenen Rodentizide mit Antikoagulanzien sind als spezifisch zielorgantoxisch für Blut eingestuft und dürfen daher nur durch speziell im Umgang mit solchen Produkten geschulte Verwender im Rahmen der beruflichen Tätigkeit angewendet werden. Dies sind geschulte berufsmäßige Verwender mit:

  • Sachkunde nach Anhang I Nr.3 der GefStoffV. Diese ist zwingend erforderlich für Verwender, die die Schädlingsbekämpfung

    • berufsmäßig bei anderen durchführen (z.B. professioneller Schädlingsbekämpfer)
    • nicht nur gelegentlich und nicht nur in geringem Umfang im eigenen Betrieb, in dem Lebensmittel hergestellt, behandelt oder in Verkehr gebracht werden (z.B. Restaurant). Nach der Auslegung durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) fallen Landwirte, sofern sie keine Lebensmittel in einem Hofladen abgegeben, nicht in diese Kategorie
    • in einer Einrichtung durchführt, die in § 23 Absatz 5 oder § 36 des Infektionsschutzgesetztes (z.B. Krankenhäuser, Kindertagesstätten) genannt ist.
  • Sachkunde nach Pflanzenschutz-Sachkundeverordnung (PflSchSachkV)
  • Sachkenntnisse durch Teilnahme an einer Schulung mit folgenden Lehrgangsinhalten:

    • Verhalten und Biologie von Nagern
    • Rechtsgrundlagen der Bekämpfung von Ratten und Mäusen
    • Bekämpfung von Nagetieren (inkl. integrierte Schädlingsbekämpfung und Resistenzmanagement
    • Wirkungsweise von Rodentiziden (speziell Antikoagulanzien)
    • Gefahren und Risiken bei der Verwendung von Rodentiziden für Menschen und die Umwelt und Techniken zur Risikominderung (speziell Primär- und Sekundärvergiftung von Nicht-Zieltieren und deren Vermeidung, Umgang mit PBT/vPvB-Stoffen
    • Anwendungstechniken/Vorgehensweise und Dokumentation
    • Verhalten von Ratten in der Kanalisation

Eine erfolgreiche Teilnahme an einem Kurs mit diesen Inhalten ist für die Erstellung eines Sachkundenachweises (= Teilnahmezertifikat) ausreichend. Freigaben und/oder Zertifizierung von Kursen zur Sachkunde durch die Behörden sind nicht notwendig.