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Sicherheitsdatenblatt

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Das Sicherheitsdatenblatt ist das zentrale Element der Kommunikation in der Lieferkette für gefährliche Stoffe und Gemische. Es liefert dem beruflichen Verwender von Chemikalien wichtige Informationen zu folgenden Merkmalen: Identität des Produktes, auftretende Gefährdungen, sichere Handhabung und Maßnahmen zur Prävention sowie im Gefahrenfall.

Die Anforderungen an die Inhalte und das Format des Sicherheitsdatenblattes sind in Artikel 31 und Anhang II der REACH-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 geregelt. Der Anhang II wurde durch die Verordnung (EG) Nr. 453/2010 geändert:

  • Mit Wirkung vom 1. Dezember 2010 erhielt der Anhang II der REACH-Verordnung die Fassung von Anhang I der Verordnung (EU) Nr. 453/2010.
  • Mit Wirkung vom 1. Juni 2015 erhält der Anhang II der REACH-Verordnung die Fassung von Anhang II der Verordnung (EU) Nr. 2015/830 vom 28. Mai 2015.

Der Lieferant eines Stoffes/Gemischs ist dafür verantwortlich, dass das Sicherheitsdatenblatt fachlich richtig und vollständig ausgefüllt ist. Das bedeutet, dass dieses Dokument  immer den aktuellen Rechtsvorschriften entsprechen muss und Änderungen  wie z. B. eine neue Einstufung oder eine Anpassung des Arbeitsplatzgrenzwertes einer Komponente berücksichtigt werden müssen.

Muss im Rahmen einer Registrierung eines Stoffes unter REACH ein Stoffsicherheitsbericht erstellt werden, müssen die Angaben im Sicherheitsdatenblatt mit denen im Stoffsicherheitsbericht übereinstimmen.

Anforderungen an das Sicherheitsdatenblatt

Wann muss ein Sicherheitsdatenblatt erstellt werden?

Gemäß Artikel 31 der REACH-Verordnung muss der Lieferant eines Stoffes oder eines Gemisches dem Abnehmer ein Sicherheitsdatenblatt zur Verfügung stellen, wenn

  • der Stoff die Kriterien für die Einstufung als gefährlich gemäß der CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 erfüllt oder wenn das Gemisch die Kriterien für die Einstufung als gefährlich gemäß der Richtlinie 1999/45/EG (Zubereitungsrichtlinie) erfüllt oder
  • der Stoff persistent, bioakkumulierbar und toxisch (PBT) oder sehr persistent und sehr bioakkumulierbar (vPvB) gemäß den Kriterien des Anhangs XIII ist oder
  • der Stoff in die Kandidatenliste (gemäß Artikel 59) aufgenommen wurde.

Ein Abnehmer kann außerdem ein Sicherheitsdatenblatt für ein Gemisch anfordern, wenn die Kriterien zur Einstufung als gefährlich zwar nicht erfüllt sind, aber

  • mindestens ein gesundheitsgefährdender oder umweltgefährlicher Stoff in einer Einzelkonzentration von ≥ 1 % (w/w) bei nichtgasförmigen Gemischen und bei gasförmigen Gemischen in einer Einzelkonzentration von ≥ 0,2 % (v/v) enthalten ist oder
  • mindestens ein PBT- oder vPvB-Stoff  in nicht gasförmigen Gemischen in einer Einzelkonzentration von ≥ 1 % (w/w) enthalten ist oder
  • mindestens ein Stoff, der in die Kandidatenliste (gemäß Artikel 59) aufgenommen wurde, in nicht gasförmigen Gemischen in einer Einzelkonzentration von ≥ 1 % (w/w) enthalten ist oder
  • ein Stoff enthalten ist, für den es gemeinschaftliche Grenzwerte für die Exposition am Arbeitsplatz gibt.

Sprache

Das Sicherheitsdatenblatt muss dem Abnehmer in einer Amtssprache des entsprechenden Landes, in dem der Stoff oder das Gemisch in Verkehr gebracht wird, vorgelegt werden, es sei denn der Mitgliedstaat bestimmt etwas anderes. Hierzu hat die ECHA eine Übersicht zu den in den verschiedenen Mitgliedstaaten benötigten Sprachen veröffentlicht. In Deutschland muss das Sicherheitsdatenblatt in Deutsch zur Verfügung gestellt werden.

Zur Verfügung stellen

Das Sicherheitsdatenblatt wird dem Abnehmer auf Papier oder in elektronischer Form kostenlos zur Verfügung gestellt. Welche Form der Weitergabe gewählt wird, ist von den vertraglichen Vereinbarung mit dem Kunden abhängig. Ein Versand von Sicherheitsdatenblättern auf Datenträgern oder mittels E-Mail ist dann zulässig, wenn der Empfänger damit einverstanden ist. Das alleinige Bereitstellen von Sicherheitsdatenblättern auf einer Internetplattform ist hingegen nicht ausreichend (siehe "Häufig gestellte Fragen zum Sicherheitsdatenblatt").

Das erweiterte Sicherheitsdatenblatt

Das erweiterte Sicherheitsdatenblatt enthält Informationen, die im Rahmen der Stoffsicherheitsbeurteilung für einen Stoff generiert wurden. Diese werden in Form von Expositionsszenarien als Anhang des Sicherheitsdatenblattes übermittelt.

Für alle Stoffe, die in Mengen von mehr als 10 Tonnen hergestellt werden, muss im Rahmen einer Registrierung eine Stoffsicherheitsbeurteilung nach Anhang I durchgeführt werden. Die Stoffsicherheitsbeurteilung wird in einem Stoffsicherheitsbericht dokumentiert.

Wird bei der Stoffsicherheitsbeurteilung festgestellt, dass ein Stoff den Kriterien für eine Einstufung als gefährlich entspricht oder als PBT- oder vPvB-Stoff zu beurteilen ist, so muss eine Expositionsbeurteilung und eine Risikobeschreibung gemacht werden.

Im Rahmen der Expositionsbeurteilung muss für alle identifizierten Verwendungen ein sicheres Expositionsszenariums entwickelt werden. Die Expositionsszenarien umfassen die Verwendungsbedingungen und Risikomanagementmaßnahmen für einen Stoff von der Herstellung über den gesamten Lebenszyklus. Ein Expositionsszenarium kann ein spezifisches Verfahren bzw. eine spezifische Verwendung oder ggf. verschiedene Verfahren bzw. Verwendungen abdecken.

Der Registrant, der einen Stoffsicherheitsbericht zu erstellen hat, fügt die einschlägigen Expositionsszenarien dem Sicherheitsdatenblatt als Anlage bei. Das Sicherheitsdatenblatt muss Informationen über alle identifizierten Verwendungen enthalten, die für den Empfänger des Sicherheitsdatenblatts relevant sind. Diese Informationen müssen mit den im Stoffsicherheitsbericht identifizierten Verwendungen und den im Anhang des Sicherheitsdatenblatts aufgeführten Expositionsszenarien übereinstimmen.

Ein nachgeschalteter Anwender bezieht bei der Erstellung seines eigenen Sicherheitsdatenblattes die einschlägigen Expositionsszenarien aus dem ihm zur Verfügung gestellten Sicherheitsdatenblatt ein und nutzt sonstige einschlägige Informationen aus diesem Sicherheitsdatenblatt. Muss ein nachgeschalteter Anwender selbst einen Stoffsicherheitsbericht für eine nicht abgedeckte Verwendung erstellen, so muss er das entsprechend entwickelte Expositionsszenarium als Anhang am Sicherheitsdatenblatt weitergeben.

Hilfen zur Erstellung des Sicherheitsdatenblattes

Umfangreiche Erläuterungen zu den Inhalten und Anforderungen an das Sicherheitsdatenblatt enthalten die „Leitlinien zur Erstellung von Sicherheitsdatenblättern“ der ECHA (engl. „Guidance on the compilation of safety data sheets“). Ebenfalls wurde von der ECHA ein interaktiver Leitfaden für das Sicherheitsdatenblatt und Expositionsszenarien zur Verfügung gestellt, dieser unterstützt Lieferanten und Abnehmer von Sicherheitsdatenblättern um Stoff- und Verwendungsinformationen zusammenzustellen und zu verstehen.

Weitere Informationen zum Thema Sicherheitsdatenblatt finden Sie auf den Internetseiten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) im Bereich „Gefahrstoffe“. Dazu gehören die seit dem 1. Juni 2015 geltenden Änderungen im Sicherheitsdatenblatt, Muster und Leerformulare sowie eine Zusammenstellung von Beratungsunternehmen und Software zur Erstellung von Sicherheitsdatenblättern.

Hinweis: Die Bekanntmachung 220 "Sicherheitsdatenblatt" des BMAS  (früher TRGS 220) wurde im Juli 2015 aufgehoben. Sie diente insbesondere der Konkretisierung nationaler Besonderheiten bei der Erstellung von Sicherheitsdatenblättern. Allerdings ist bisher noch kein nationales Regelwerk, das auf die CLP-Einstufung zurückgreift, veröffentlicht, wie z. B. ChemVerbotsV, AwSV, usw.. Da im Sicherheitsdatenblatt (Abschnitt 15) hierauf Bezug genommen werden soll, ist eine Bearbeitung und Veröffentlichung einer entsprechend neu gefassten Bekanntmachung 220 erst zu einem späteren Zeitpunkt in sinnvoller Weise möglich. Die aufgehobene Bekanntmachung 220 bleibt als Erkenntnisquelle bis dahin weiter verfügbar.

Downloads auf der Webseite der ECHA: Sicherheitsdatenblätter und Expositionsszenarien

Leitlinien für nachgeschaltete Anwender (PDF-Datei, 1.7 MB)
Überarbeitete Leitlinien für nachgeschaltete Anwender, Stand Dezember 2013

Sicherheitsdatenblätter und Expositionsszenarien - Wichtige Informationen für nachgeschaltete Anwender (PDF-Datei, 181 KB)
Die ECHA hat im Mai 2011 ein Fact Sheet mit dem Titel Sicherheitsdatenblätter und Expositionsszenarien - Wichtige Informationen für nachgeschaltete Anwender veröffentlicht. Die deutsche nationale Auskunftsstelle hat dazu wesentliche Anmerkungen, die Sie im Anhang des Dokuments finden.

Praxisanleitung 13: Umgang mit Expositionsszenarien - Hinweise für nachgeschaltete Anwender (PDF-Datei, 399 KB)
Dieser Leitfaden unterstüzt nachgeschaltete Anwender bei der Erfüllung ihre Verpflichtungen im Zusammenhang mit Expositionsszenarien. Er enthält praktische Ratschläge wie geprüft werden kann, ob die betrieblichen Verwendungsbedingungen durch die in einem Expositionsszenarium beschriebenen Bedingungen abgedeckt sind und welche Maßnahmen er bei Abweichungen ergreifen kann.

 

Auszüge aus der REACH-Verordnung